Sätze wie „Kanntest du jemanden, der diesen Schnellkochtopf besaß?“, ergänzt durch „Sieh dir die Kommentare an“ oder „Die Antwort findest du im ersten Kommentar“, sind in den Feeds von Facebook und Instagram allgegenwärtig. Warum verwenden Content-Creator ausgerechnet alte Schnellkochtöpfe, und was steckt hinter diesem Trend?
- Spiel mit Nostalgie und Erinnerungen
Alte Schnellkochtöpfe aus Aluminium oder Edelstahl gehörten zur Standardausstattung fast jedes Haushalts, in dem Kinder in den 80er und 90er Jahren aufwuchsen. Sie wecken sofort Erinnerungen an die Kindheit, an Großmütter und an das Sonntagsessen. Indem der Beitrag nostalgische Gefühle anspricht, animiert er die Leser zur Reaktion – etwa mit einem Kommentar wie: „Ja, meine Mutter hatte auch so einen!“ oder „Ich habe selbst noch einen zu Hause, und er funktioniert einwandfrei.“ - Ein Hauch von Angst und Gefahr
In der Popkultur gelten Schnellkochtöpfe von früher als „Zeitbomben“. Viele erinnern sich an Geschichten über explodierende Töpfe, wegfliegende Ventile oder Gulasch, das in der ganzen Küche verspritzt wurde. Folglich löst die Frage im Beitrag unterbewusst Gedanken an katastrophale oder auch lustige Vorfälle aus – genau die Art von Geschichten, die Menschen gerne lesen. - Manipulation des Algorithmus (Engagement-Farming)
Social-Media-Plattformen bevorzugen Beiträge, die viele Kommentare und Klicks generieren. Die Aufforderung „Sieh dir die Kommentare an“ verleitet Nutzer dazu, die Diskussion zu öffnen; der Algorithmus wertet dies als hohes Engagement (Verweildauer).
Menschen neigen dazu, Fehler zu korrigieren oder eigene Erfahrungen zu teilen, wodurch die Reichweite des Beitrags kostenlos gesteigert wird.
Was verbirgt sich tatsächlich in den Kommentaren?
Meistens stößt man im ersten Kommentar auf eines der folgenden drei Szenarien:
Affiliate-Link / Werbung: Ein Link zu einem Online-Shop, der moderne Küchengeräte oder völlig fachfremde Produkte (z. B. „Wunder-Putztücher“ oder Nahrungsergänzungsmittel) verkauft.
Automatisierter Spam / Click-Farming: Ein Link zu einem mit Werbung überladenen externen Artikel, in dem die Geschichte des Schnellkochtopfs künstlich auf zehn Seiten gestreckt wird – nur um den Nutzer dazu zu bringen, auf Banner zu klicken.
Erfundene Geschichte: Eine kurze, reißerische Erzählung darüber, wie genau dieser Topf „eine Familie gerettet“ oder „ein Geheimnis bewahrt“ hat. Wie sollten Sie reagieren?
Diese Beiträge zielen darauf ab, von Ihrer Aufmerksamkeit zu profitieren. Wenn Sie auf einen solchen Beitrag stoßen, ist es am besten, gar nicht zu reagieren – klicken Sie nicht auf die Kommentare und teilen Sie keine eigenen Erinnerungen, es sei denn, Sie möchten Konten unterstützen, die lediglich die Nostalgie der Nutzer ausnutzen.